Auffälle

SR

Über den Blog:

Verfasser des Blogs/Impressum: Sandor Ragaly, Bottroper Weg 12, 13507 Berlin. E-Mail: sandorragaly@gmail.com, ragaly@yahoo.de

 „Auffälle“ – Was dieser Blog will:

„For the most part we do not first see, and then define, we define first and then see. In the great blooming, buzzing confusion of the outer world we pick out what our culture has already defined for us, and we tend to perceive that which we have picked out in the form stereotyped for us by our culture.“

Walter Lippmann: Public Opinion. New York, 1922. S. 81.

Lippmanns Zitat stellt gleichsam eine negative Skizzierung der Zielsetzung meines Blogs dar: Mir geht es dem Üblichen gegenüber gerade um den Versuch, nicht im Vorhinein schon eine starre Meinung zu haben, in deren Kategorien dann die Erfahrungen des Lebens, das Erleben, eingefügt oder gar hineingepresst wird. Ich finde es vielmehr wichtig, in der Tat zuerst zu schauen, und dann schlusszufolgern – auch wenn solches Schauen selbst nie frei ist von Vor-Annahmen. Die entscheidende Frage ist hier, wie fest und eng diese Annahmen sind bzw. gehandhabt werden (extreme Negativbeispiele wären die Ideologie oder das Dogma). Die folgenden Ausführungen skizzieren eine Idee, eine noch relativ vage Vorstellung, die ich durch meine Artikel nach und nach zu konkretisieren versuche – und es handelt sich zugleich um ein Ideal, an dem ich mich zu orientieren versuche, ohne mich übertrieben daran zu „klammern“ und es ganz „erfüllen“ zu können und zu wollen. Es geht vielmehr in diesem Vorwort um den wesentlichen Leitgedanken des Blogs. „Auffälle“ bedeuten für mich: Was fällt mir persönlich an „der Realität“ auf, wenn ich versuche, sensibel und relativ offen an das, was ich wahrnehme, heranzugehen? Was fällt mir auf, wenn ich bewusst tiefergehend und auch (vermeintliche) „Kleinigkeiten“ ernstnehmend, die für mich herausstechen, beobachte. Was fällt mir auf, wenn ich dabei versuche, mich nicht an dem zu orientieren, was „man“ zu etwas, etwa einer politischen Frage, sagt, oder was ich über etwas denken oder äußern „sollte“, etwa aufgrund etablierter, selten hinterfragter gesellschaftlicher Deutungsmuster. Dieser empirische Bezug eines einerseits ganz persönlichen, zugleich betont nach außen gerichteten Blicks, dieses Sich-frei-und-neugierig-Umschauens, liegt schon im Begriff der „Auffälle“. Er ist jedoch nicht (oder nicht allein) so zu verstehen, wie er etwa in der Empirischen Sozialforschung gehandhabt wird: Denn anders als in dieser sollen nicht-rationale und persönlichkeitsabhängige Aspekte von Wahrnehmung, Erkenntnis und ihrer Kommunikation nicht ausgeblendet werden. Vielmehr geht es gerade um den Bezug auf das eigene Ich, und ein Gedicht etwa kann einem Menschen u.U. mehr „bringen“, wenn es um wichtige Themen geht, als ein wissenschaftlicher Text (während auch das Gegenteil möglich ist). Es geht um mein ganz persönliches Erleben unter Offenheit, Achtsamkeit und auch Einfühlungsvermögen gegenüber „der Welt“, dem Erleben des Geschehens um mich herum und in mir selbst.  Und es geht um ein ebenso persönliches, kreatives Kommunizieren meiner „Erkenntnisse“, vielleicht in unorthodoxem Stil dadurch, aber doch zugleich mit dem Ziel, Menschen zu erreichen. Das Verbindende zwischen den thematisch vielfältigen Artikeln in meinem Blog liegt daher in dem Versuch, mit einem bewusst eigenen, ganz persönlichen Blick und selbstbewusster Sensibilität – möglichst unabhängig von den üblichen “Deutungsmustern” und Werten -, zu beobachten, wahrzunehmen und zu bewerten. Ein Leitbegriff ist dabei der des “mavericks”, der in der US-englischen Sprache diese angezielte Eigenständigkeit benennt – ursprünglich handelte es sich bei mavericks um die nicht-gebrandmarkten Rinder des Wilden Westens. Nicht um ein spezielles Thema im klassischen Sinne geht es mir also, sondern um diese Eigenwilligkeit und eine – nämlich  meine – “echte”, nicht nur den Medien, den gesellschaftlich etablierten Mustern etc. “nachgeahmte” und reproduzierte Weltwahrnehmung – gleich, wie “anerkannt” oder außenseiterisch sie sein mag. Was sehe, fühle genau ich, wenn ich “frisch” auf ein Thema schaue? Wie drücke ich mich aus, und vermeide dabei möglichst nicht nur stereotype Inhalte, sondern auch „leere“ Schreibweisen. Dabei geht es mir zugleich explizit um eine “Spielwiese”, dies auszuprobieren. Das schließt auch die von meiner Persönlichkeit ihren Ausgang nehmende Selektivität der Gegenstände, der Themen, ein: Was finde ich menschlich wichtig, welche Aspekte sind meine Aspekte – und die finden sich, wenn man achtsam hinschaut, oft im ganz Kleinen (und Vernachlässigten), das bedeutsam ist. Auffälle… Aber sie finden sich natürlich auch in den, sich „lauter“ gebärdenden “großen” oder „Massen-“ Themen, gerade der Politik und der Medien, bei denen mich eher grundsätzlichere Bezüge interessieren, ich ggfs. aber zugleich aktuell Stellung beziehe. Für mich als Persönlichkeit (wie jeder Mensch eine ist) gehören entsprechend eine ganze Vielfalt von Gegenständen, Fragen bzw. die Herangehensweise an sie mehr oder weniger zusammen, die Manchem als ganz disparat erscheinen mögen. Etwa hängen menschliche Eigenschaften wie Sensibilität oder Selbstsicherheit (und die Lyrik des romantisch-ironischen Spötters Heine) zusammen mit Fragen von Mode, Obrigkeitshörigkeit, dem medial-politischen Umgang mit Politikern (wie Wulff), ihren Einflussweisen, und Autoritäten – die dann wieder u.a. auf die individuelle Selbstsicherheit treffen -, oder der (massenbezogenen) Bedeutung von Images und Trends in der Unterhaltungstechnik (s. Apple). Aktuelle, brisante Themen wie die Sicherheitspolitik wiederum verlangen geradezu nach der Beschäftigung und dem Vergleich mit der Geschichte, mit historischen Ähnlichkeiten und Unterschieden, mit der bereits „geronnenen Politik“ also, die die Historie in Wahrheit ist. Nur der sich nicht richtig am Leben beteiligen will, kann, jetzt allgemein gesprochen, auf den Vergleich, den Blick über den Tellerrand, verzichten. Verbindungen zwischen solchen relativ „gestreuten“ Themen zu knüpfen, erfordert natürlich eine gewisse Assoziations- und Imaginationsfähigkeit und ihre (nicht denkfaule) Anwendung, anders etwa als sachliche wissenschaftliche oder Medientexte. Aber dies gibt wiederum die so wertvollen Vergleichsmöglichkeiten: Was die Komparatistik der Politologie spezifisch mit dem Ländervergleich tut, ist natürlich (aber weniger formalisierbar) auch etwa zwischen den Bereichen fruchtbar, die ich aufgezählt habe – die gegenseitige Befruchtung etwa, wenn man meine Betonung der Bedeutung des Individuums und seiner Rechte (vs. des Mainstreams etwa) in verschiedenen Artikeln in unterschiedlichen Facetten wahrnehmen kann. Mein Blog ist dadurch nicht so einfach klassifizierbar (oder in einer einfachen Schublade ablegbar), wie solche, die ein bestimmtes Thema (im klassischen Sinne) verfolgen – diese bewusst eigen-artigen “Auffälle” müssen entweder per Suchmaschinen-Begriff gefunden werden oder jemand gefällt meine spezielle Art zu schauen und mich auszudrücken prinzipiell – oder ist ihm/ihr von der Art her “nahe” -, so dass der Blog im Auge behalten werden mag. Ich sehe die „Auffälle“, was die thematische Auswahl angeht, ähnlich dem Werk etwa eines Autors, der verschiedene Bücher zu ganz unterschiedlichen, scheinbar unverbundenen, Themen verfasst hat – und der diese zugleich durch seine ganz eigene Herangehensweise (stilistisch wie inhaltlich) bzw. seine spezifische Welt-Wahrnehmung und seine Werte verbindet – und damit doch durchgehend ein “Thema” verfolgt.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: