Auffälle

SR

Eigene Empfindsamkeit vs. notwendiger Krieg?

Trauerndes Elternpaar, von Käthe Kollwitz (Deutscher Soldatenfriedhof in Flandern)

Trauerndes Elternpaar, von Käthe Kollwitz (Deutscher Soldatenfriedhof in Flandern). Wikimedia /PD

Wären Friede, Sicherheit, Geborgenheit und Freundschaft, Freiheit und die Liebe, Empfindsamkeit und man selbst sein zu können, authentisch, gemeinsam, ja, wäre das Gefühlvolle, Schöne in der Welt nur sicher. Ohne Kampf zur Verteidigung da, immer da. Aber ist es nicht. Es braucht z.B. der Selbstsicherheit im Zwischenmenschlichen, die Nein sagen kann, auch physisch kämpfen zur Not. Ein Kinderbuch von mir hieß „Wehr dich, Jay“. Aber in der richtigen Weise. Und politisch, ist es da nicht manchmal genauso? Ich nehme das Wort „militärisch“ meist nur als etwas Abschreckendes in den Mund, auch, wenn ich mich historisch mit Krieg befasse, weil es mir um den Frieden geht, menschlich wie politisch. Aber sagen zu müssen, wir sollten Krieg führen? Es fühlt sich seltsam an, aber ich kenne eben gerade aus der Geschichte, wie verbrecherische Anführer und Organisationen, Staaten, zu allen Zeiten gestoppt werden mussten, und wie oft sie nicht gestoppt wurden. Die Alliierten hätten spätestens nach Hitlers Rheinland-Coup, als sie noch die Stärkeren waren, in Deutschland einmarschieren müssen, den Nationalsozialismus entmachten, aber sie waren so kriegsmüde, und sie wollten keinen Mann verlieren, und sie waren mitten im Appeasement – das erst endete, als die Stuka’s auf Warschau niederheulten.

Manchmal muss man für all das Schöne, Sanfte, oben Genannte hart handeln, das ist auch die „Paradoxie“ der streitbaren Demokratie, der man nicht entflüchten kann – und bei der man dennoch genauestens überlegen sollte, immer, think thrice! Denn viel zu oft neigen die politischen Führer, aufgeheizte Volksmassen dazu, gerade durch leichtfertige militärische Aktionen bis hin zum Krieg wiederum gerade die oben genannten wertvollsten Dinge des menschlichen Lebens zu zerstören, massiv und ungeheuerlich brutal. Und wie ist es, erst tatsächlich selber zu handeln als Soldat: Grauen, Angst, und sich selbst nicht zu verlieren, kein Trauma zu erleiden, nicht, wie der Held in „Im Westen nichts Neues“ im Grund schon vor dem eigenen Tod ohne Bezug mehr zum Leben zu sein, leer, mit solchem Gesicht liegt er am Ende des Buches da; an einem Tag im Jahr 1918 im Westen erschossen, als so wenig an der Front passierte, dass der dt. Heeresbericht vermeldete, im Westen sei nichts Neues zu berichten. Und doch starb ein Mensch (eine Welt), der ich sein könnte. Ist das Ziel eines Kriegs, auch gegen Verbrecher wie Pol Pot, Hitler, Stalin das wert? Der Einzelne, ich! – und das so wichtige Kriegsziel – auch eine Paradoxie zwischen dem, was gut ist, das ich oben aufgeführt habe, und dem, was für sehr Viele (vielleicht) relativ besser ist.

Das Thema ist von vorn bis hinten voll Schrecken und fragwürdigen Entscheidungen, wenn es ernst würde umso mehr – zugleich fallen mir Helmut Schmidt ein, und Willy Brandt, und dass die obigen schönen Dinge einen verantwortungsvollen Schutz brauchen. Und da verbindet sich wieder eine ggfs. nötige Kriegsführung (niemals Bellizismus!) gegen den „IS“ (wie gegen Hitler; oder man denke an das Versagen diesbezüglich in Ruanda), mit Menschlichkeit, mit tiefer Menschlichkeit, die man so zeigt, wenn man verantwortungsvoll handelt. Unnd wenn Friedenspolitik immer vorgeht, aber der Realismus Krieg nicht ausschließen kann, ohne Schlimmeres zu riskieren – in Ausnahmefällen. Helmut Schmidt hat Schleyers Tod in Kauf nehmen müssen, weil der Staat sich nicht dauerhaft von einer radikalen RAF erpressen lassen durfte. Er jedenfalls entschied, ihr nicht nachgeben zu dürfen, keine Selbstverständlichkeit. Eine harte Entscheidung für die oben genannten, feinfühligen, schönen Dinge, aber diese schützen wollend. In einer Talkshow hat Helmut Schmidt später übrigens erzählt, danach habe er geweint.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. November 2015 von in Aktuell / News.

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