Auffälle

SR

Helmut Schmidts grundsätzlicher Impuls für die Politik

Schmidt_01

Altbundeskanzler Helmut Schmidt (2001)
Photo mit Erlaubnis von NVP Schweiz
(Lizenz: Creative Commons BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Er ist schon beeindruckend, dieser „über-situative“ Blickwinkel von Altkanzler Helmut Schmidt, eine Perspektive der „großen Züge“, wenn es z.B. um die Bedeutung der Europäischen Union geht – und dadurch um zentrale Werte und Grundentwicklungen, auf der unsere Bundesrepublik basiert, von der sie immer gelebt hat, zu denen man aber immer wieder – im Tagesgeschäft wie auch aufgeschreckt von Krisen – stehen muss. Beeindruckend verbindlich, verantwortlich ist für mich auch Schmidts Gedanke von, wie er manchmal erwähnt, „Abschieds“-Treffen und -gesprächen, mit alten Freunden und einflussreichen Politikern; in denen er noch einmal sein Gewicht einbringt.

Beides ist in unserem Mediensystem wie auch Alltag gerade durchaus in Gefahr:

Netzkommunikation und -kontakte sind oft von den Gegenteilen von Verbindlichkeit und z.T. auch Verantwortlichkeit (zumindest dem starken und bewussten Willen dazu) geprägt; unorthodoxes Handeln nach je eigenen Werten in Gefahr, in der (Medien-)Öffentlichkeit rasch moralistisch abgetan oder gar (moralistisch) „herunter-gegeifert“ zu werden. Auch wenn Schmidt dabei von Zeit zu Zeit auch mal, durchaus arrogant-elitär, überzieht bzw. Fehler macht, die bei seinem Gewicht umso mehr auffallen – etwa, was jüngst seine Relativierung der Menschenrechte angeht; früher jedoch weit mehr noch, siehe etwa das Herabsehen auf Friedens- und Umweltbewegung z.B – Ihm ist doch etwas Wesentliches eigen, das zentral ist für politisch aufrechte Aufrichtigkeit, und damit für konstruktive Kritikfähigkeit wie grundsätzlich (Mit-)Menschlichkeit:  das „Selber-Denken“ (und dessen Äußerung, auch wenn es unorthodox sein mag), das eigene Urteil in Selbstsicherheit – bis hin zum Schwimmen gegen den Strom , wenn es das Richtige ist nach je persönlichem, selbst „gemachtem“ Urteil! Das scheint das deutsche Volk, vielleicht eher unbewusst, besser zu wissen, als man meinen könnte – sie sind m.E. mit der Grund für Schmidts Beliebtheit und seine Hochachtung als elder statesman.

Das aber ist – unabhängig prinzipiell von streitwürdigen Entscheidungen, unterschiedlichen Sichtweisen, echten Fehlern – das Rückgrat, und es ist der Ernst, die tiefe Ernsthaftigkeit beim Thema Politik, die er hat, um die es so sehr geht und gehen muss dabei – und die derzeit in der politischen Kommunikation, der Öffentlichkeit – inmitten von infotainment, Übermedialisierung und teils unterschiedsloser digitaler „Beteiligung Aller“, leidet. Darin ist er für mich ein „anachronistisches“, tatsächlich: ein überzeitliches Vorbild.

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