Auffälle

SR

HistorienMalereien – Wilhelm II. zu den abmarschierenden Soldaten 1914

Als damals wie heute „goldene Worte“ stechen aus dem berühmten Berliner Weltkriegs-Abschiedsgruß des Deutschen Kaisers Wilhelm II. von Hohenzollern an die vorbeimarschierenden Truppen 1914 die folgenden, erstaunlich offenen Sätze hervor:

„Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Tote!“

„Noch ehe die ersten Blätter fallen, werdet Ihr unter der Erde sein!“

Leider erreichte die Warnung die Anwesenden nicht mehr, die aufgrund ihrer Sozialisierung, Einstellung, Kriegsbegeisterung etc. in jenem August 1914 die Sätze automatisch leicht anders wahrnahmen, etwa so, wie sie historisch auch i.a.R. überliefert werden (siehe ggfs. in jedem gutsortierten Geschichtsbuch). Wie experimentell nachgewiesen, „korrigiert“ die menschliche Psyche automatisch evtl. wahrgenommene, kleine Ausreißer-„Fehler“ der Realität (etwa einen Rechtschreibfehler in einem überflogenen Text). Zudem werden, mehr oder weniger, seelische „Qualen“ durch das „Hinbiegen“ störender Wahrheiten, von nicht zueinander passenden, aber gleichermaßen wichtigen Ansichten, Informationen etc., oft verhindert (Vermeidung  kognitiver Dissonanz).

Ich bin sicher, irgendetwas Ähnliches muss hier mit den drastischen Hinweisen des guten Kaisers passiert sein, die sehr ehrlich und vorausschauend andeuteten, was man auch so ausdrücken könnte: dass mit dem Abmarsch der Millionen mobilgemachter Soldaten in den europäischen Ländern etwas wie die letzten Tage der Menschheit anbrachen.

*

„Die letzten Tage der Menschheit“  ist auch der Titel eines sehr beeindruckenden, wuchtigen und umfangreichen Werks in Dramenform von Karl Kraus. Darin stellt er höchst entlarvend und drastisch auch noch die Feinheiten des damaligen Jargons, Redestils und der Denkweisen der Menschen und Gruppierungen in Österreich-Ungarn in Bezug auf die Katastrophe des Ersten Weltkriegs dar. Bereits während dessen (1915) hatte Kraus zu schreiben begonnen, der offizielle Druck fand 1921 statt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. Februar 2013 von in Geschichte, Krieg Frieden, Satire, Wahr-Nehmungen und getaggt mit , , , , , .
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