Auffälle

SR

Vom Schaden der aktuellen Sexismus-Debatte

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Medien + Sensibilität ? Warum ein so wichtiges Thema in der aktuellen (Medien-)Form nicht adäquat behandelt wird – und welchen Schaden dies mit sich bringen kann.

Die derzeitge Sexismus-Debatte wurde als “Nebenwirkung” angestoßen von einem parteipolitischen (und kommerziellen) Manipulationsversuch: Es wurde eine sexistische Bagatelle, die vor einem Jahr stattfand, durch die „Stern“-Journalistin Himmelreich ausgegraben und doch noch publiziert, just als Brüderle zum FDP-Spitzen“kandidaten“ erkoren worden war. Das Thema wurde aufgrund von Brüderles Prominenz allgemein medial aufgegriffen, massiv auch auf Twitter, wo es geschickt und wiederum aufheizend als „#aufschrei“ (über männliches Fehlverhalten) gelabelt wurde (Hashtag).

Insgesamt verbreiteten die Medien aller Art mit ihrer ganzen Wucht an Häufigkeit der „Bearbeitung“ und Moral-/Streitlust das Thema, verstärkten seine (wahrgenommene) Bedeutsamkeit immer mehr – wobei diese Wucht des Mediensystems durch die Ausdehnung ins Populäre, d.h. die zunehmende Partizipation der Bevölkerung in Online-Kommentaren, auf Blogs, in Facebook, Twitter, Google+ immer weiter zunimmt! Sie bewegt sich zunehmend in Richtung einer (als Extrem:) „medialen Totalität”, der kaum zu entkommen ist (Brüderles anhaltendes Schweigen ist insofern bemerkenswert willensstark).

Dennoch wird – neben dumpf-moralistischer Einseitigkeit und der geringen Reflexion der dabei zentralen Rollen-Verhältnisse mit ihren Feinheiten, in dem das Ganze stattfindet und nur diskutierbar ist – auch sinnvoll diskutiert, ist das Problem zudem faktisch nicht wegzuwischen, sondern wichtig und muss bekämpft werden. Die Frage ist aber: Sind ausgerechnet die Medien das geeignete Form (etwa, weil wir es so gewohnt sind)? – mit ihrer häufigen moralischen Aggressivität, ihrer Vereinfachung und dem Sensationalismus (-> Nachrichtenfaktoren) und jetzt noch der digitalen Umbruchsituation, dem gewaltigen „Input“ an Meinungsäußerungen von Bürgern , seien diese nun gebildet, kompetent oder eher auf Stammtischniveu mitteilungsfreudig bzw. grobe „Lästerer“ etc. Man denke auch an die bald nach einem neuen Skandal nur noch ohne viel Erkenntnisgewinn herumdebattierenden Polit-Talks in den ö.-r. Sendern, das sich aber ungeachtet dessen über Wochen hinziehen kann: Infotainment wird fast ganz zu Entertainment, und zwar auf Kosten des dabei verwendeten „Spielballs“, des politschen Systems! Dass soll also der Ort sein, an dem ein so sensibles, auch die Privatsphäre, das eigene Flirtverhalten uvm. im Grunde mitthematisierendes Problem “verhandelt” (verwurstet) wird?!

Nun kann man beschwichtigend fragen: Was ist schlecht, wenn neben wichtiger Diskussion (die es jetzt auch gibt) halt auch viel vereinfachender und moralistisch-aufheizender „Unsinn“ intensiv verbreitet wird? Darauf gibt es leider eine Antwort: Schlecht ist daran, dass die ständige Beeinflussung mit dem Thema „auf allen Kanälen“ und in oft erregter, moralistischer, simplifizierender und aggressiv-fordernder Weise die Menschen gerade bei jenen ihrer Verhaltensweisen zu verunsichern vermag, die eben nicht mit der Keule zu behandeln sind!

– sondern einen ganz feinen, verletzbaren privaten Bereich betreffen, in den ich die Medien auch nicht hinein“regieren“ lassen wollte! – Es geht schließlich um den Umgang zwischen den Geschlechtern mit ihren vielen feinen Facetten etwa des Flirtens, der Rollenverteilungen, der Erwartungen versch. Art (sexuell oder nicht), an den – m.E. immer noch (oder wieder) meist als initiativ gewünschten – Mann, an die Frau; um das behutsame Sich-Nähern beim Kennenlernen, das erste “Funken” (mit der wichtigen, handlungsbestimmenden Frage der Ein- oder Zweitseitigkeit), wobei gerade verliebte Annäherung auch immer mit vorsichtiger Grenzüberschreitung(!) oder zumindest massiver, verletzlich machender Grenzverschiebung zu tun hat (anders als bei einer Freundschaft z.B.).

All diese wirklich zarten, weichen, sanften, sensiblen Aspekte aber können durch die ständige (gleichsam überall stattfindende) verallgemeinernde, Fronten schaffende, oft dumm-simplifizierende und wuchtige Medienkommunikation zerredet, über-problematisiert werden, mit Befangenheit, Verunsicherung überlagert und in „verdummender Weise eingehämmert“ werden – gerade im Fall jüngerer Menschen, etwa in der Pubertät, die derlei Themen besonders begierig wahrnehmen. Das weist eine gewisse Analogie dazu auf, wie ein unsensibles („Kaputt-„) Reden über Liebe die Begriffe und Gefühle „entleeren“, stören kann. Etwa bei einer obsessiv wiederholten Frage der geliebten Person: „Liebst Du mich noch? (Und wenn ja, wie sehr? Und warum?)“, und der immer mechanischeren Beantwortung, und irgendwann Gefühlsverwirrung, seitens des Gefragten – falls dieser in die Falle tappt und sich jedesmal vor seiner Antwort gewissenhaft einer Selbst-Prüfung in Sachen Gefühlsleben unterwirft, um wirklich zu „wissen“, ob und wie sehr er seine Geliebte denn liebt…


Bildnachweis:  Georges Seurat, Tanzendes Paar. Frankreich um 1887, Kreide auf Papier. Gemeinfrei. Danke, zeno.org!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. Februar 2013 von in Aktuell / News, Medien / Komm, Politik, Umbruchzeiten, Wahr-Nehmungen und getaggt mit , , , .
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