Auffälle

SR

Wie (nicht) reden über Plagiate?

Eine Polemik zur Kommunikation über die neue Herausforderung

Bei aller erwiesenen Nötigkeit, das Maulwurfsauge gegenüber Plags endlich durch Adler- oder jedenfalls Falkenaugen zu ersetzen – Aber springen jetzt die Wichtigtuer hierin auf den Plan, in die Öffentlichkeit? Werden die Plagiatsjäger hochmütiger als mancher -hersteller? Thema dieses Beitrags ist daher der öffentliche Umgang mit der Thematik (Form), außen vor bleibt hier die i.e.S. inhaltliche Dimension der rundum sehr wichtigen, dynamischen und zukunftsträchtigen Plagiats-Debatte. Es geht mir im Folgenden um eine kleine, personale Facette der (qualitäts)medialen „Plagiatskommunikation“, die ich hier sehr kurz, exemplarisch, polemisch anreißen möchte.

Und zwar fiel mir vorgestern der ZEIT Online-Artikel zum Fall Althusmann auf, den der Salzburger Medienwissenschaftler und Plagiatsexperte Dr. Weber (“Das Google-Copy-Paste-Syndrom”) als Gastautor verfasst hatte.

http://www.zeit.de/studium/hochschule/2011-07/althusmann-plagiat-umschreiben

Es handelt sich um einen z.T. auf jeden Fall interessanten input für die Thematik, nicht zuletzt, weil in der jungen Debatte derzeit noch sehr viele Klärungen nötig sind. Aber: Der Duktus, die Formulierungen Webers (über)betonen die eigene Rolle, was generell für ein Thema, bei dem es um Wissenschaftlichkeit geht, nicht gut sein kann.

„Das ist textueller Missbrauch, nichts anderes“,

moniert etwa Weber Althusmanns Vorgehen, und dieses „Textuelle“ wirkt auf mich seltsamer Weise tatsächlich ein klein wenig respektheischend (ich Germanisten-Sensibelchen?), lässt das Ganze im Vergleich etwa zu „Missbrauch im Umgang mit Texten“ gravierender, gar pathologisch? erscheinen. Und elfenbeinig. Natürlich ist dies eine semiotische Kleinigkeit, aber manche Kleinigkeit taugt gut als (hier personenbezogenes) Indikatörchen…

Dramatischer wird Weber, wenn er unter (indirektem) Bezug auf Althusmanns BWL-Dissertation – Thema „Personalentwicklung im Öffentlichen Dienst“ – vor Augen führt: “Es geht immer um Präzision – gäbe es die nicht in der Wissenschaft, würden viele Entscheidungen über Leben und Tod permanent falsch gefällt.” Im Prinzip hat er da natürlich Recht, und sind nicht rigide Prinzipien auch einfacher zu vertreten als Graumalereien? Sind. Doch wie ist das „wissenschaftspragmatisch“? – ein Wort, das Weber sicher nicht im Wörterbuch der Reinen Lehre mit sich führt, abgesehen davon, dass ich es auch noch nie gehört habe – wie bei Bezug auf das nicht gar so notfallbezogene Thema Althusmanns?

Weber hat im Prinzip schon wieder Recht, wenn er – zusätzlich noch als Zwischenüberschrift aufgemacht – betont, bei Dissertationen sei im Verhältnis zu Diplomarbeiten wissenschaftlich “Schluss mit lustig”! Tatsächlich sollte der Ernst einer Dissertation – fachlich, aber auch biographisch/perspektivisch, hinsichtlich der Lebenszeit und viele mehr oder weniger große Freuden und Leiden und Leistungen oder das Scheitern betreffend -, jedem Beteiligten möglichst deutlich sein. Allein, dieses (mit leicht verkniffenem Mund geschriebene?) „Schluss mit lustig“, irgendwie denke ich da doch wahlweise an mich in der 12. Klasse oder an Herrn Weber, wie er auf irgendeiner Kanzel redet. – Ein absolutes Detail, zugegeben, verweist es auf etwas? vielleicht ein Aufgehen in einer (inoffiziellen) Richterrolle (Polemiken machen echt mehr Spaß als wiss. Arbeiten, S.R. ;-) ), wird das (auch) in sprachlichen Wendungen subtil wirksam?

Am Ende des ZEIT-Artikels kommt es zum Eklat zwischen mir und Weber, der da etwas potenziell ganz Einschneidendes verkündet. Sein Fundament dafür ist, das ist dabei wichtig zu sagen, eine eigene Studie plus das großzügige Übertragen und Weiterspinnen seiner empirischen Ergebnisse. Mit wissenschaftlicher Unbeirrtheit, und mediengerecht, und dabei immer noch erstaunlich differenziert konstatiert Weber:

“Damit steht ein Fragezeichen vor jeder Dissertation und jedem Herrn oder jeder Frau Doktor.”

Das ist also das revolutionäre Infragestellen von Allem und Allen, auf das der Artikel hinauslief… So erschütternd das aber zunächst klingen mag, der Generalverdacht hätte, würde ihm Glauben geschenkt, durchaus auch etwas Gutes – jedenfalls für Weber: Schließlich betreibt er, neben der Universitätsarbeit, “Webangebote als Plagiatsgutachter” (ZEIT).

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. Juli 2011 von in Medien / Komm, Politik, Umbruchzeiten.
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